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	<title>Personal &#38; Training &#187; Arbeitszeugnisse</title>
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	<description>Der Blog für Personaler</description>
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		<title>Profi-Schreiber statt Personalabteilung</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Jul 2010 12:39:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Gerwert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Arbeitszeugnisse im Akkord Von Yasmin El-Sharif Jennifer Herbert schreibt Hunderte Arbeitszeugnisse, mal für einen Telefonkonzern, mal für eine Investment-Gesellschaft. Die Menschen, über die sie urteilt, hat sie nie gesehen &#8211; doch das stört ihre Auftraggeber nicht: Sie wollen Geld sparen, vor allem bei Massenentlassungen. Hamburg &#8211; Jennifer Herbert liebt die Routine: Rein ins Arbeitszimmer, Computer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Arbeitszeugnisse im Akkord</h2>
<p>Von <a href="mailto:yasmin_el-sharif@spiegel.de">Yasmin  El-Sharif</a></p>
<p id="spIntroTeaser">Jennifer Herbert schreibt Hunderte  Arbeitszeugnisse, mal für einen Telefonkonzern, mal für eine  Investment-Gesellschaft. Die Menschen, über die sie urteilt, hat sie nie  gesehen &#8211; doch das stört ihre Auftraggeber nicht: Sie wollen Geld  sparen, vor allem bei Massenentlassungen.</p>
<p><span id="more-322"></span></p>
<div id="spArticleBody">
<p>Hamburg &#8211; Jennifer Herbert liebt die Routine: Rein ins Arbeitszimmer,  Computer hochfahren, einmal kurz durchatmen &#8211; und dann loslegen:  &#8220;Günter Mergan war in der Zeit vom 1.1.2002 bis zum 31.3.2010 als  Ingenieur in unserem Unternehmen beschäftigt&#8221;, tippt sie in den PC.  Einige Absätze später schreibt sie: &#8220;Sein Arbeitsstil ist gekennzeichnet  durch größtes Verantwortungsbewusstsein, seine ausgeprägte  Selbstorganisation sowie seinen hohen Qualitätsanspruch. Für die Zukunft  wünschen wir ihm weiterhin beruflichen Erfolg und alles Gute.&#8221;</p>
<p>Ein paar Stunden braucht Jennifer Herbert an diesem Montag, dann ist sie  mit dem ersten Arbeitszeugnis fertig. Sofort beginnt sie mit dem  nächsten. Dieses Mal für die Mitarbeiterin eines anderen Unternehmens.  Danach folgt die nächste Beurteilung &#8211; für einen Mann aus einer dritten  Firma.</p>
<p>Jennifer Herbert macht das jeden Tag, Woche für Woche. Sie verdient  ihr Geld damit, Zeugnisse für Firmen zu schreiben, in denen sie nie  gearbeitet hat &#8211; und deren Mitarbeiter sie nie zu Gesicht bekam. &#8220;Das  geht gut&#8221;, sagt sie.</p>
<p>Was für Jennifer Herbert Alltag ist, klingt für Außenstehende  merkwürdig, wenn nicht skandalös: Unternehmen lagern das Verfassen von  Arbeitszeugnisse an externe Schreiber aus &#8211; ohne dass diese jemals die  Personen gesehen haben, über die sie urteilen. Dabei ist das  Abschlusszeugnis das Kernstück einer jeden Bewerbung. Für die meisten  Personalabteilungen ist es das entscheidende Dokument, wenn es um die  Vergabe einer Stelle geht.</p>
<p>Oft verändert nur ein einziges Wort die Wirkung eines Zeugnisses. Wenn  einem ehemaligen Angestellten etwa die &#8220;volle Zufriedenheit&#8221; statt der  &#8220;vollsten Zufriedenheit&#8221; über seine Arbeit bescheinigt wurde, lassen  potentielle Chefs diesen Bewerber lieber zu Hause. Worauf es beim  Schreiben der Zeugnisse folglich ankommt, ist Fingerspitzengefühl und  Fachwissen.</p>
<p>Kein Wunder also, dass heute Ratgeber und Software für  Arbeitszeugnisse meterlange Regale in Fachbuchhandlungen füllen. Doch  obwohl Unternehmen viel Geld in ihre Personalabteilungen investieren,  gleichen sich die Beurteilungen der unterschiedlichsten Menschen aus den  unterschiedlichsten Berufen teilweise bis ins kleinste Detail. Der  Trend geht zum Einheitszeugnis.</p>
<p><strong>&#8220;Ich habe mich gefragt, was kann ich, was anderen Leuten nützt?&#8221;</strong></p>
<p>Ein Problem, das Ute Daniel bekannt ist. Die Personalerin arbeitet  bei dem Telekommunikationsanbieter Orange. Natürlich sei es enorm  wichtig für die Mitarbeiter, dass sich ihr Zeugnis von dem der Kollegen  unterscheide. Doch für solche Feinarbeiten hätten die wenigsten  Unternehmen Zeit. &#8220;Wir haben so viele unterschiedliche Aufgaben zu  erledigen&#8221;, sagt Daniel. &#8220;Jede Minute, die wir sparen können, ist viel  wert.&#8221; Für Daniel und ihre Kollegen war es daher ein Gewinn, als sie  Jennifer Herbert vor einigen Jahren als Ghostwriterin für  Arbeitszeugnisse engagierten.</p>
<p>Herbert ist gelernte Industriekauffrau, doch auf einmal verlor sie  ihren Job bei dem Computerhersteller Hewlett-Packard. &#8220;Bei HP wurde  umstrukturiert, und ich musste mit einer Reihe anderer Leute gehen&#8221;,  erzählt die 40-Jährige. &#8220;Damals habe ich mich gefragt, was kann ich, was  anderen Leuten nützt?&#8221;</p>
<p>Die Idee war schnell geboren: Herbert entschloss sich,  Arbeitszeugnisse zu schreiben, denn aus ihrer Erfahrung im  Personalreferat bei HP wusste sie: &#8220;Die Kollegen haben oft nicht den  Kopf frei, um korrekte und dazu noch individuelle Zeugnisse aufzusetzen.  Warum sollte ich ihnen diese Last nicht abnehmen?&#8221;</p>
<p>Heute geht Herbert bei jeder Beurteilung nach einem bestimmten Prinzip  vor: Verlangt ein Mitarbeiter ein Zeugnis, muss sein Chef oder die  Chefin als allererstes einen Beurteilungsbogen ausfüllen und dabei  Fragen nach der Tätigkeit, Qualität Auffassungsgabe und auch  Schnelligkeit ausfüllen. Den wiederum schickt er an Herbert. &#8220;Meine  Aufgabe ist es dann, alles sinnvoll zusammenzutragen und dabei eine gute  Wortwahl zu treffen.&#8221; Dass sie die Mitarbeiter selbst nie zu Gesicht  bekommt, sei nebensächlich. &#8220;Meinen Sie, dass das in den  Personalabteilungen anders ist?&#8221;</p>
<p><strong>Herbert muss auf einen Schlag zig Zeugnisse schreiben</strong></p>
<p>Die Unternehmen schätzen Herberts Dienste. Für die Firmen ist es  unwichtig, wer ein Zeugnis verfasst, entscheidend ist, dass es pünktlich  und in ordentlicher Form fertig wird. Denn die Personalabteilungen sind  oft selbst Opfer von Schrumpfkuren, da kommt es sehr gelegen, wenn man  administrative Aufgaben auslagern kann.</p>
<p>Längst ist Herbert nicht die einzige, die Zeugnisse auf Bestellung  verfasst. Diverse Anbieter offerieren ähnliche Dienste &#8211; die Branche der  Ghostwriter wächst.</p>
<p>Vor allem die Wirtschaftskrise hat das Geschäft angekurbelt. Denn die  Ghostwriter sind besonders dann gefragt, wenn Unternehmen mehrere Leute  entlassen oder ganze Produktionsstätten verlagern. In diesem Fall  müssen oft Hunderte Arbeitszeugnisse auf einen Schlag geschrieben  werden. &#8220;Was den Personalabteilungen ein Graus ist, ist letztlich mein  Glück&#8221;, sagt Herbert.</p>
<p>Zu Herberts Kunden zählen Unternehmen wie der Babynahrungshersteller  Milupa, die Investment-Gesellschaft Axa oder der IT-Dienstleister Colt  Technology Services. Aber auch kleine Firmen sind mit dem Erstellen von  Zeugnissen oft überfordert und lagern diese Aufgabe aus. &#8220;Ich bin sehr  ausgelastet&#8221;, sagt Herbert.</p>
<p><strong>30 bis 35 Euro für ein Zeugnis</strong></p>
<p>Wie teuer ein Zeugnis ist, will Herbert nicht öffentlich machen. Das  hänge vom Volumen des Auftrags ab und könne stark schwanken, sagt sie  lediglich. Brancheninsider berichten aber, dass ein Zeugnis rund 30 bis  35 Euro wert ist, in Einzelfällen auch mehr.</p>
<p>&#8220;Das rechnet sich für uns&#8221;, sagt Ute Daniel von Orange. Andernfalls  müsse ihre Abteilung zusätzliche Arbeit leisten.</p>
<p>Auch bei den Mitarbeitern kommen die Fremd-Zeugnisse gut an. &#8220;Ich  habe noch nie gehört, dass jemand unzufrieden war&#8221;, sagt Daniel. Selten  müsste eine Kleinigkeit korrigiert werden. Die Qualität der Zeugnisse  sei sogar gestiegen, seit man sie nicht mehr selbst auf die Schnelle  zusammenschustern müsse.</p>
<p>Herbert berichtet ebenfalls über glückliche Mitarbeiter. In einem  Fall habe sich jemand bei ihr gemeldet, der von seinem Arbeitgeber schon  oft ein Zwischenzeugnis verlangt habe &#8211; und jedes Mal aufs Neue  enttäuscht war, dass sich die Sätze aus dem vorigen Zeugnis  wiederholten. Als Herbert ihm dann ihre Fassung vorstellte, sei der Mann  überrascht gewesen. &#8220;Ach, so anders kann ein Zeugnis aussehen?&#8221;</p>
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<h4>URL:<a title="Profi-Schreiber statt Personalabteilung: Arbeitszeugnisse im  Akkord" href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,700807,00.html"> http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,700807,00.html</a></h4>
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