Arbeitsmarkt: Fachkräftemangel in Sicht

Die Wirtschaftskrise scheint so langsam überwunden, doch das nächste Problem rollt auf den Arbeitsmarkt zu: Den Unternehmen fehlen qualifizierte Mitarbeiter. Kommt eine neue Krise?

Angesichts der Pendlerströme auf dem Münchner Arbeitsmarkt ist Bernd Becking, Chef der Arbeitsagentur München, dagegen, dass die Landeshauptstadt Optionskommune wird und dann künftig ihre Langzeitarbeitslosen allein betreut. In diesem Fall könnten Hartz-IV-Empfängern nämlich keine Jobangebote außerhalb der Kommune gemacht werden, da es dann keine gemeinsame Software mehr gebe. Von den 690 111 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in München pendeln rund 45 Prozent aus der Umgebung in die Landeshauptstadt. Das zeige, wie wichtig die Pendler für den Münchner Arbeitsmarkt seien.

Gerade jetzt sei es wichtig, Langzeitarbeitslosen deutschlandweit Jobangebote zu machen. Denn kaum scheint die Wirtschaftskrise überwunden, droht ein nächstes Problem auf dem Arbeitsmarkt: Den Unternehmen fehlen qualifizierte Arbeiter. „Wir werden möglicherweise einen recht kurzen Übergang von der Wirtschaftskrise in die nächste schwierige Phase, nämlich den Fachkräftemangel, erleben“, erklärt Bernd Becking.

Dazu müssten alle Potenziale für Arbeitskräfte aktiviert werden. „Dazu zählen auch Arbeitslose, die in Folge der Krise in Hartz IV gerutscht sind und denen ansonsten eine Abwärtsspirale droht“, sagt Becking. Gute Qualifikations- und Vermittlungsprozesse der Arge müssten dabei helfen, die Menschen wieder in Arbeit zu bringen und den Betrieben Arbeitskräfte zu sichern, wirbt Becking für den Erhalt der Arge.

Kritiker fürchten aber ein geringeres Mitsprache- und Entscheidungsrecht der Kommune, falls die Kooperation von Arbeitsagentur und Landeshauptstadt in Zukunft weiter geführt wird.

Unterdessen entspannt sich der Arbeitsmarkt in München weiter: Bereits zum sechsten Mal in Folge ist die Zahl der Arbeitslosen gesunken. Insgesamt hatten im Monat Mai 40 142 Menschen in München keinen Job. Das sind 1386 weniger als noch im Mai und sogar 3476 weniger als im Juni vergangenen Jahres – dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 5,4 Prozent in München, deutschlandweit bei 7,5 Prozent. Das entspricht annähernd dem Niveau vor der Wirtschaftskrise.

Auch die Zahl der kurzarbeitenden Betriebe geht weiter zurück. Derzeit zählt die Arbeitsagentur München 996 Betriebe, in denen 9117 Beschäftigte kurzarbeiten. Erst vor kurzem  hatte auch MAN bekanntgegeben, unter anderem am Standort München die Kurzarbeit zu reduzieren.

Stehen wir vor einem Fachkräftemangel? Oder nutzen wir die vorhandenen Möglichkeiten nicht aus? Ist es eine Mär, und die Unternehmen die oftmals 6 Wochen und mehr brauchen um auf eine Bewerbung zu reagieren, sind ihre Not selber schuld?


1 Kommentar

  1. 1. Thomas Gerwert

    Kommentar vom 29. Juli 2010 um 11:48

    Es stellt sich auch mal die Frage: Gibt es diese Stellen überhaupt real oder sind es nicht eher Lockangebote von Zeitarbeitsunternehmen um den Pool an Bewerberkontakten zu füllen?

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